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Mittwoch, 6. Januar 2010

Mittwoch, 6. Januar 2010

Der Wikinger, wie wir ihn bisher nicht kannten

105072 - Helm WikingerkönigMittelalterliche Chroniken und nahezu alle westeuropäischen Quellen der Wikingerzeit (etwa 793 bis 1066 n.Chr.) lassen kein gutes Haar an den Nordmannen. Das verwundert nicht, schließlich tragen wüste Verheerungen und gebrandschatzte Städte nicht zu einer positiven Publicity bei. Den Wikingern, womit gemeinhin die seefahrenden, kriegerischen Stämme Skandinaviens gemeint sind, werden höchstens Leistungen in Schmiedekunst und Schiffbau zuerkannt. Ansonsten waren sie ein anarchistischer Haufen ungepflegter Rotbärte, die raubmordend die mittelalterlichen Küsten unsicher gemacht, sich dabei eimerweise Met hinter die Binde gekippt und sich sogar noch in der Ruhmeshalle von Walhalla gekloppt und besoffen haben. Falsch.

In jüngerer Zeit hat sich an diesem Bild doch einiges geändert. So hat sich mittlerweile herumgesprochen, dass die Wikinger Amerika entdeckt haben, unter dem Namen Rus an der Wolga siedelten (siehe: Russland), als Normannen ab 1066 den Grundstein für ein vereinigtes Königreich Großbritannien legten, das Mittelmeer bis nach Byzanz bereisten und selbst mit dem Orient Handel trieben. Schafft man das als volltrunkener Pöbelproll? Nein. Doch neuere Forschungen zeichnen ein Bild der Nordmänner, das selbst wir uns nicht haben träumen lassen: Wikinger-Männer waren gepflegt, eitel und orientalisch bunt gekleidet. Sie zogen nur hinaus in die Welt, um besser um Frauen buhlen zu können, die wiederum aufreizend sexy angezogen waren!

Beutezug für verbesserte Heiratschancen

Frühe Darstellung von Wikingern, wahrscheinlich DänenBisher wurde davon ausgegangen, das allein die Kompetenz im Umgang mit Schiffen die Wikinger in ferne Lande trieb. Der Cambridge-Professor James Barrett hat jedoch eine andere These: „Schiffe, die eine größere Anzahl von Kriegern befördern können, sind eine Voraussetzung, aber nicht die Ursache für die Wikingerzüge“. Schuld sei vielmehr die leicht unkluge Sozialpolitik der Kindstötung. Barrett behauptet, die bewusste Tötung der als minderwertig geltenden, weiblichen Säuglinge sei gängige Praxis gewesen – was logischerweise ein Ungleichgewicht in der Geschlechterverteilung nach sich zog. Die so dezimierte Frauenschar sah sich daher einer Flut an männlichen Brautwerbern gegenüber, die sich Chance auf Erhaltung der Art erhofften. Diese Chancen vergrößerten sich natürlich mit dem Umfang wertvoller Brautgeschenke und diese wiederum gab’s vorzugsweise im Ausland. Der Historiker stützt seine Theorie auf Gräberfunde von Wikinger-Frauen, die mit reichlich Beuteschmuck ausgestattet waren.

Extravaganter Haarschnitt, Augenschminke und bunte Klamotten

Wikinger-Darstellung auf dem Teppich von Bayeux - man beachte die Frisuren!Die Theorie von einem Buhlen und Balzen mit ganz anderen Reizen stellt uns dagegen die schwedische Archäologin Annika Larsson von der Universität Uppsala vor. Sie hat ebenfalls Gräber und andere Fundorte untersucht, und dabei allerlei Textiles zu Tage gefördert. Von bunten Farben, seidenen Tüchern und angestickten Spiegelstücken an körperbetonten Kleidern ist bei ihr die Rede. „Die Wikinger haben orientalische Elemente mit dem nordischen Stil kombiniert. Die Kleidung war zudem so konzipiert, dass sie sowohl in den Häusern als auch am Feuer präsentiert werden konnte“, wie sie zweideutig erläutert. Statt langer, langweiliger Kleider trugen die Wikingerfrauen eine Art moderner Büstenhalter, der die Brust provokativ betonte, indem jede einzelne mit einer Spange gehalten wurde. Außerdem waren die Träger-Kleider (!), in die Silber- und Goldfäden eingewoben waren, vorne offen und gaben den Blick auf das Unterkleid frei. Die Männer seien alles andere als uniformiert, sondern ausgesprochen großtuerisch aufgetreten. Nach den Pflegeutensilien in Gräbern zu schließen, waren die Nordmänner überhaupt sehr gepflegt. So schreibt der Zeitgenosse Ibrahim ibn Jaqub über seine Reise nach Haithabu um 965, dass Männer und Frauen Augenschminke benutzt hätten, und ein englischer Autor berichtete, dass die Wikinger am Samstag badeten, ihr Haar pflegten (welches im Übrigen über der Stirn lang und im Nacken geschoren war…) und gut gekleidet waren, um Erfolg bei den englischen Damen zu haben.

Nach neuesten Erkenntnissen ein beinahe fast historisch korrektes Alltagskleid von Wikingerfrauen...Am Haarschnitt müsste noch gefeilt werden, aber sonst ein waschechter WikingerWarum überhaupt noch ein Oberkleid? Eine Chemise allein ist doch auch sehr kleidsam!Für den Kampf wurde weniger dick aufgetragen...

Allerdings braucht Ihr Eure Wikinger-Gewandungen jetzt nicht komplett umstellen, denn all diese modischen Erkenntnisse haben nur bei regionalen Stämmen Bedeutung und sind auch nicht in allen Gesellschaftsschichten anzutreffen. Zudem endeten die modischen Extravaganzen schlagartig mit der Christianisierung und erdfarbene Tuniken und Obergewänder waren wieder en vogue.

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Kommentare

Es gibt einen Kommentar zu "Der Wikinger, wie wir ihn bisher nicht kannten":

  • Lanie schreibt am Samstag, 16. Januar 2010 um 23:32 Uhr

    OK, also ich finde ja das kostüme immer autentisch rüber kommen sollten und eure tun das keinesfalls was ich aber sehr toll finde sind eure venezianischen masken dafür muss man euch einfach nur ein paar plus punkte geben naja vill. könnt ihr daran ja was verbessern.Aber ansonsten ist alles eigentlich ganz ok.Hat mich aber trotz alledem gefreut das ich mir ein paar anregungen für meine eigene maske holen konnte.bb

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