

versandkostenfrei ab 20€ · riesige Auswahl direkt lieferbar · blitzschneller Versand +++ Express! Express! DE - CH - AT +++
Montag, 8. Februar 2010
Erst der Sitzungskarneval, dann die Umzüge auf den Straßen. Und dazwischen? Die Weiberfastnacht! Der Donnerstag vor Aschermittwoch läutet die Hochphase der Karnevalszeit ein und ist traditionell den Frauen vorbehalten. Doch warum? Wieso haben die Frauen ihre eigene Karnevalsveranstaltung und was hat es bei der Sache mit den Krawatten auf sich?
Die Weiberfastnacht hat im Grunde zwei Wurzeln: Im spätmittelalterlichen Rheinland wurde am Donnerstag vor Aschermittwoch überwiegend in Klöstern und Kirchen die Pfaffenfastnacht gefeiert, bei der es mitunter hoch her ging – zumindest im klösterlichen Rahmen. Für den Karneval 1729 ist zum Beispiel belegt, das im Benediktinerkloster St. Mauritius die Fastnacht “in voller Lust” gefeiert wurde. Alle Nonnen seien verkleidet gewesen, am Tag wurde getanzt und gesprungen und des Nachts wurde bei Kaffee und Tee Karten und Dame gespielt. Hier kam auch der Brauch der “Mützenbestabelung” (in etwa: “Mützenbestehlung”) auf, bei dem sich die Nonnen karnevalistische Kopfbedeckungen aufsetzten und sich diese gegenseitig vom Kopf zu reißen versuchten. Großen Anklang fand dies bei den Marktfrauen auf dem Alten Markt in Köln, wo das mittlerweile “Mötzebestot” genannte Treiben eine symbolische Auflehnung gegen das patriarchalische “unter die Haube bringen” war und noch bis ins frühe 20. Jahrhundert zelebriert wurde.
Der andere Ursprung der Weiberfastnacht liegt bei den Wäscherinnen im Bonner Stadtteil Beuel. Hier waren im frühen 19. Jahrhundert zahlreiche Wäschereibetriebe ansässig und die Arbeitswoche der Waschfrauen endete in der Regel bereits am Donnerstag, da die Männer anschließend die Wäsche mit Booten zu den Kunden nach Köln schiffen mussten. Da sich der Karneval hier bereits 1823 etablierte, kam es nicht selten vor, dass die werten Herren ihren Aufenthalt in Köln gleich mal um ein paar Tage verlängerten. Die daheim gebliebenen Frauen nutzten die Gelegenheit für eine – zumindest kurzfristige – Machtübernahme um sich das Recht auf eine Teilnahme am Karneval zu erstreiten. Bereits 1824 schlossen sich die Beueler Wäscherinnen zum “Alten Damenkomitee von 1824 e.V.” zusammen und noch heute stürmt zur Weiberfastnacht die Wäscheprinzessin mit ihrem Damenkomitee das Beueler Rathaus. Diese Beschneidung der Macht äußert sich auch in dem Brauch, die Krawatten (als Symbol der Männlichkeit) abzuschneiden. Diese Tradition kam allerdings erst nach dem Zweiten Weltkrieg auf und ist als solches auch wieder im Aussterben begriffen. Denn, wer trägt heutzutage im Alltag noch Krawatte?
Kommentar schreiben oder Trackback einrichten.
Es gibt keinen Kommentar zu “Weiberfastnacht”.