Dienstag, 2. Februar 2010
Zur Karnevalszeit, das ist bekannt, werden Sprüche geklopft, im ganzen Land! Jeder Ort hat seinen Ruf, den jeder gröhlt, nicht nur im Suff. Doch genug der unausgegorenen Reime, denn wir wollen hier schließlich noch auf den Punkt kommen. Und dieser Punkt lautet: Jeder Mensch kennt hierzulande die bekannten Narrenrufe wie “Alaaf” und “Helau”, doch kaum einer weiß, was sie eigentlich bedeuten. Und dem wollen wir hier ebenso Abhilfe leisten, wie wir auch ein paar der wirklich zahlreichen regionalen Narrenrufe vorstellen wollen. Dabei gibt es im Grunde nur zwei Unterarten von Rufen, zum einen diejenigen, die für sich stehen (wie z.B. “Sandhase Hopp, Sandhase Hopp, Sandhase Hopp Hopp Hopp” in Teilen Mannheims oder im Leipziger Studentenfasching, wo die Physiker und Geologen den Ruf “Schlau wie Ein – Stein” geprägt haben) und solche, die als zweigeteilter Ruf funktionieren, bei dem ein Vorrufer den zu würdigenden Namen vorgibt (meist den Namen der Stadt) und die Narrenschar mit dem eigentlichen Narrenruf kontert (wie z.B. “Kölle – Alaaf!”)
Der wohl bekannteste und am weitesten verbreitete Narrenruf ist natürlich “Helau”, der sich in zahlreichen Narrenhochburgen findet. In Mainz wird die Fastnacht mit “Unserer goldig Fassenacht ein dreifach donnerndes Helau!” begrüßt, doch wurde dies erst 1935 von den Düsseldorfern entliehen und dort etabliert. Doch woher haben die es? Theorien gibt es viele, so wird dahinter ein niederrheinischer Hirtenruf vermutet und auch die Abwandlung von “Hölle auf” ist im Gespräch. Sehr viel wahrscheinlicher ist allerdings “Helau” als Verballhornung des christlichen “Halleluja“, was auch gut zur katholischen Tradition des Karnevals passt. Garantiert steht “Helau” aber nicht für “halb blau”, wie uns einige rheinische Frohnaturen nach dem x-ten Kölsch vermitteln wollten.
Wieder mal das Rheinland und wieder mal ein Narrenruf, der im Hoheitsgebiet des jeweils anderen nicht gern gesehen wird (wo “Helau”, da kein “Alaaf” und umgekehrt). Auch hier sind die Theorien wieder zahlreich: Manch einer sucht die Herkunft im keltischen (“alaf” = Glück) oder im alemannischen Sprachgebrauch (“a Laaf’n” = eine Maske), andere im Kölner Hafen (“all aaflade” = alles abladen, mit dem Ursprung im Kölner Stapelrecht des 13. Jahrhunderts). Doch der allgemeine Konsens trifft sich beim Fürsten Metternich und seiner Bittschrift an den Kölner Kurfürsten im Jahre 1635. In dieser ist der Ausspruch “Kölle Alaaf” erstmalig schriftlich belegt, der seinerzeit ein beliebter Trinkspruch war. Er entstammt dem altkölnischen “all af”, was sinngemäß “alles ab” oder “alles weg” bedeutet. Dies kann man in vielerlei Hinsicht auslegen, wie z.B. “(Außer) Köln alles weg!” oder “Köln vor allem (anderen)!” Auch als Hinweis auf das Aufbrauchen aller Speisen und alkoholischen Getränke vor der Fastenzeit ist “Alaaf” durchaus denkbar.
Nicht ganz so verbreitet wie “Alaaf” und “Helau”, aber dennoch überregional zu finden, ist der Narrengruß “Ahoi”. Er wurde der traditionellen Seemannssprache entnommen, wo er schlicht und ergreifend verwendet wird, um ein Schiff oder Boot anzurufen. Dabei ist “hoy” gleichbedeutend mit dem in England gebräuchlichen Ruf, um Vieh anzutreiben, ähnlich dem deutschen “hüh”. Das Partikel “a” wird vorangestellt, um dem Ruf mehr Ausdruck und Aufmerksamkeit zu verleihen. Verwendung findet “Ahoi” als Narrenruf von den Mannschaften der Narrenschiffe bei Karnevalsumzügen und ist überwiegend in der Pfalz, so wie vereinzelt im Badischen und Bayrischen zu finden. Auch moderne norddeutsche Karnevalsvereine lassen es sich nicht nehmen, ihre höchsteigenen Begrifflichkeiten bei Fasching und Karneval zu verwenden.

In der schwäbisch-alemannischen Fastnacht haben die verschiedenen Narrenzünfte unterschiedliche Wortkreationen, die sich manchmal auf die Ortsnamen zurückführen lassen (“Kalau!” in Kaiserslautern, “Hella, hella Gamundia” in Schwäbisch Gmünd oder “Monte Miau” in Waldkatzenbach am Katzenbuckel), oftmals aber purer Nonsens sind (“Komma Gschwomma!” in Stuffgart-Hofen oder “Narri – Narro!” im Schwarzwald und am Bodensee). Wenn im bayrischen Günzburg der Stadtbutz kommt, wird er freundlicherweise mit “Ja, verreck!” begrüßt, im hessischen Offenbach wird “Hallau” gerufen, weil dereinst ein angetüddelter Prinz die Aussprache des “Helau” nicht mehr recht beieinander hatte, Darmstadt ruft “Hä – Hopp!”, während in Flörsheim “Hall die Gail!” (= Halte die Pferde!) befohlen wird. Den Schwulen und Lesben in Köln war das “Alaaf” offenbar zu offensiv, weshalb sie sich fürderhin für ein dezidiert, schmissiges “Aloha!” entschieden haben. Im Rheinland, der Eifel und in Westfalen vernimmt man offenbar in jedem Dorfflecken einen anderen Narrenruf, während andere Regionen dagegen ein wenig verkümmern. In Hamburg besinnt man sich auf den alten Hamburger Gruß “Hummel Hummel – Mors Mors!” und Bremen hat gar nichts Eigenes zu vermelden. Das mag aber immer noch einen Tick besser sein, als das in Berlin vor spontaner humoristischer Eleganz nur so strotzende “Hei-Jo!”. Dieses Kunstwort setzt sich aus “Heiterkeit” und “Jokus” zusammen und verdeutlicht jedem Zweifler, dass hier bestimmt ordentlich Spaß am Gange ist… Wir verabschieden uns mit einem dreifach kräftig schallendem “Knolli Knolli Schabau!” (wie es zum Beispiel im westfälischen Scharmede – und wahrscheinlich nur dort – sinnfrei-fröhlich aus feuchten Kehlen schallen wird)!
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